Das Wichtigste in Kürze
Kein automatisches Qualitätssiegel: „Getreidefrei“ sagt nur aus, was nicht im Futter enthalten ist – nicht, wie hochwertig die restlichen Zutaten sind.
Alleinfuttermittel entscheidend: Achte darauf, dass das Futter als Alleinfuttermittel deklariert ist, um den Nährstoffbedarf deiner Katze vollständig abzudecken.
Kohlenhydrate im Blick behalten: Getreidefreies Futter ist nicht automatisch kohlenhydratarm. Statt Weizen oder Reis werden oft Kartoffeln, Erbsen oder Linsen als Bindemittel eingesetzt.
Fleischqualität prüfen: Wichtiger als das Fehlen von Getreide ist eine transparente Deklaration von hochwertigem Fleisch und essenziellen Nährstoffen wie Taurin.
Langsam umstellen: Jede Futterumstellung sollte schrittweise über 7 bis 10 Tage erfolgen, um Magen-Darm-Probleme zu vermeiden.
1. Bedeutung und Inhaltsstoffe von getreidefreiem Futter
Katzen sind biologisch gesehen sogenannte obligate Karnivoren (reine Fleischfresser). Ihr Verdauungstrakt ist darauf ausgelegt, Nährstoffe primär aus tierischem Eiweiß und Fett zu gewinnen. Pflanzenfasern und komplexe Kohlenhydrate spielen in der natürlichen Ernährung eine sehr untergeordnete Rolle.
„Getreidefrei“ bedeutet zunächst nur, dass in der Rezeptur auf Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Roggen, Mais oder Reis verzichtet wird. Das ist für die Orientierung hilfreich, stellt aber noch keinen Garant für eine artgerechte Zusammensetzung dar.
Denn um Trockenfutter-Kroketten oder feuchte Stücke zu formen und zu binden, benötigen Futtermittelhersteller Stärke. Wird Getreide weggelassen, kommen stattdessen häufig Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen oder Tapioka zum Einsatz. Ein getreidefreies Futter kann daher unter Umständen genauso viele Kohlenhydrate enthalten wie ein Futter mit Getreide.
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2. Vorteile und Grenzen im Alltag
Ein Wechsel auf getreidefreies Katzenfutter kann im Alltag durchaus sinnvoll sein, ist aber nicht für jede gesunde Katze zwingend notwendig.
Wann getreidefrei sinnvoll ist
- Futtermittelunverträglichkeiten: Manche Katzen reagieren empfindlich auf bestimmte Getreideeiweiße (z. B. Gluten in Weizen) mit weichem Kot, Blähungen oder Juckreiz.
- Höhere Akzeptanz: Viele getreidefreie Futtersorten weisen durch einen höheren Fleischanteil eine bessere geschmackliche Akzeptanz auf.
- Ausschlussdiät: Wenn unter tierärztlicher Begleitung abgeklärt werden soll, auf welche Inhaltsstoffe eine Katze allergisch reagiert, sind getreide- und Monoprotein-Rezepturen ein guter Ausgangspunkt.
Wo die Grenzen liegen
- Keine Heilgarantie: Verdauungsprobleme oder Hautreizungen werden keineswegs immer durch Getreide ausgelöst. Häufiger sind Reaktionen auf spezifische tierische Proteine (z. B. Rind oder Huhn) oder Umweltfaktoren.
- Gesunde Katzen benötigen keine Hysterie: Wenn deine Katze ihr bisheriges, hochwertiges Futter gut verträgt, geformten Kot hat und fit wirkt, besteht kein medizinischer Grund für einen spontanen Wechsel, nur weil ein Siegel fehlt.
Getreidefrei heißt nicht automatisch kohlenhydratarm. Es heißt auch nicht automatisch besser verträglich oder hochwertiger. Andere Zutaten können ebenfalls eine Rolle spielen.
4. Nassfutter und Trockenfutter im Vergleich
Ein gutes Katzenfutter erkennst du nicht am Werbeslogan auf der Vorderseite, sondern am sachlichen Blick auf das Rücketikett. Nutze diese Checkliste für deine Entscheidung:
Deklaration „Alleinfuttermittel“: Bietet die Garantie, dass alle lebensnotwendigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in korrekter Dosierung enthalten sind.
Offene und transparente Fleischdeklaration: Gute Futtermittel listen genau auf, was enthalten ist (z. B. „70 % Huhn (davon 40 % Brustfleisch, 20 % Herzen, 10 % Leber)“ statt schwammiger Begriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“).
Fleisch an erster Stelle: Die erste Zutat in der Zusammensetzung stellt den größten Gewichtsanteil dar. Hier sollte immer eine benannte Fleischquelle stehen.
Verzicht auf Zucker: Zucker, Karamell oder Rübenschnitzel haben im Katzenfutter nichts zu suchen. Sie dienen oft nur als Geschmacksverstärker oder Farbstoff und belasten Zähne und Stoffwechsel.
Angepasster Kohlenhydratgehalt: Wähle Produkte, bei denen der Anteil an pflanzlichen Bindemitteln (Kartoffeln, Erbsen) möglichst gering gehalten ist.
Taurin-Gehalt: Taurin ist für Katzen essenziell. Bei Feuchtfutter sollte der Gehalt idealerweise bei mindestens 1.000 bis 1.500 mg pro kg liegen.
Das Gesamtbild bleibt dabei entscheidend: Ist die Rezeptur klar? Frisst deine Katze sie gern? Bleibt der Kot unauffällig? Passt die Futterform in euren Alltag?
4. Nassfutter und Trockenfutter im Vergleich
Sowohl Nass- als auch Trockenfutter gibt es in getreidefreien Varianten. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Feuchtigkeit und Handhabung:
| Kriterium | Getreidefreies Nassfutter | Getreidefreies Trockenfutter |
|---|---|---|
| Feuchtigkeitsgehalt | Hoch (ca. 70–80 %) | Niedrig (ca. 8–10 %) |
| Pflanzlicher Anteil | Meist sehr gering (1–5 %) | Höher (benötigt Stärke als Bindemittel) |
| Nieren & Harnwege | Optimal, führt direkt Flüssigkeit zu | Erfordert aktive, hohe Trinkmenge der Katze |
| Haltbarkeit im Napf | Muss nach wenigen Stunden entsorgt werden | Kann länger stehen bleiben |
| Kaloriendichte | Gering (gut für die Gewichtskontrolle) | Hoch (Gefahr der Überfütterung) |
Was das für deine Entscheidung bedeutet
Wenn deine Katze Trockenfutter bekommt, ist frisches Wasser an mehreren Stellen in der Wohnung besonders wichtig. Manche Katzen trinken besser aus breiten Näpfen, andere mögen Trinkbrunnen lieber. Bei Nassfutter ist der Feuchtigkeitsvorteil praktisch, dafür sollte es nicht lange offen stehen.
5. Schritte für eine schonende Futterumstellung
Eine abrupte Futterumstellung kann den empfindlichen Magen-Darm-Trakt der Katze belasten und zu Durchfall oder Erbrechen führen. Gehe deshalb schrittweise vor:
Tage 1–3: Mische etwa 25 % des neuen Futters unter 75 % des gewohnten Futters.
Tage 4–6: Erhöhe das Verhältnis auf 50 % neues Futter und 50 % altes Futter.
Tage 7–9: Füttere 75 % des neuen Futters und 25 % des alten Futters.
Ab Tag 10: Du kannst das neue Futter nun vollständig anbieten.
Beobachte während der Umstellung genau den Kotabsatz, das Hautbild und das allgemeine Wohlbefinden deiner Katze.
Katzen mögen außerdem oft mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Das kann die Umstellung leichter machen, weil nicht gleich eine große Portion auf einmal verändert wird.
Wichtig: Wiederkehrendes Erbrechen, deutliche Bauchbeschwerden, Fressunlust oder stark verändertes Verhalten gehören nicht in einen langen Futtertest. Dann ist eine tierärztliche Einschätzung sinnvoll.
6. Entscheidungshilfe für den Alltag
Diese Übersicht hilft dir bei der schnellen Einordnung für deinen Alltag:
Sinnvoll als Versuch: Deine Katze zeigt mit dem bisherigen Futter wiederholt Futterunverträglichkeiten, Blähungen oder weichen Kot.
Sinnvoll bei Mäkeligkeit: Deine Katze akzeptiert eine bestimmte getreidefreie Sorte geschmacklich deutlich besser als ihr bisheriges Futter.
Nicht zwingend nötig: Deine Katze ist vollkommen gesund, zeigt keine Beschwerden und kommt mit ihrem aktuellen Alleinfuttermittel hervorragend zurecht.
Nicht empfehlenswert als Alleingang: Bei chronischen Vorerkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen oder Diabetes) sollte eine Futterumstellung nie allein nach Marketing-Labeln, sondern immer in Absprache mit Fachpersonal erfolgen.
7. Häufige Aussagen zu getreidefreiem Katzenfutter im Faktencheck
Rund um getreidefreies Katzenfutter kursieren viele Aussagen, die sich überzeugend anhören, aber oft zu pauschal sind:
Ist Getreide immer schlecht für Katzen?
Nein. Getreide ist für Katzen nicht giftig. In aufgeschlossener, gekochter Form und in sehr geringen Mengen können Katzen kleine Mengen an Kohlenhydraten verwerten. Problematisch wird es erst, wenn billiges Getreide als Hauptzutat genutzt wird, um hochwertiges Fleisch einzusparen.
Ist getreidefrei automatisch artgerechter?
Nicht automatisch. Artgerechte Ernährung bedeutet vor allem, dass das Futter bedarfsgerecht zusammengesetzt ist und ausreichend tierische Proteine liefert. Ein getreidefreies Futter, das stattdessen zu viel minderwertige Stärke oder Zucker enthält, ist nicht artgerecht.
Ist getreidefrei immer besser verträglich?
Nicht pauschal. Manche Katzen kommen mit getreidefreien Rezepturen besser zurecht, andere zeigen keine Veränderungen. Zudem richten sich Futterallergien bei Katzen häufiger gegen spezifische tierische Proteine (z. B. Rind oder Huhn) als gegen Getreide.
Braucht Trockenfutter grundsätzlich Misstrauen?
Nein, aber Aufmerksamkeit. Trockenfutter erfordert wegen des geringen Feuchtigkeitsgehalts ein wachsames Auge auf das Trinkverhalten der Katze. Das gilt für getreidefreies Trockenfutter genauso wie für herkömmliches.
